Zecken-Infos für Pilzradar-Abonnenten

Pilzfreunde aus unserer Pilzschule haben ihre besten Tipps gegen Zecken  (nur bei Menschen) mit uns geteilt. Hast du Geheim-Tipps für uns, die hier nicht aufgelistet sind? Schreib uns! 

 

Aktuell - Zeckensituation 2018

Alarmierend: die Zeckensituation 2018 übertrifft alles bisher Dagewesene! Noch nie waren so viele Zecken aktiv und wurden so viele Leute gestochen wie dieses Jahr. Relativ neu ist die Tatsache, dass sich die Zecken nun nicht mehr nur in Waldnähe aufhalten. Auch in Parks, an Seepromenaden, im Garten weit ab vom Wald, sind die Zecken aktiv. 

Besonders gefährlich und an diesen Stellen sehr verbreitet sind die Nymphen, die Jungzecken. Sie übertragen Krankheiten besonders schnell und mit viel höherer Wahrscheinlichkeit als die ausgewachsenen Zecken. Zudem sind die Nymphen manchmal so klein, dass sie nur mit einer guten Lupe überhaupt als Zecken erkennbar sind. Wer also denkt, er entferne bloss ein etwas hartnäckiges Schmutzpartikelchen von der Haut, tut gut daran, den Partikel mit der Lupe zu überprüfen. 


Typisch ist, dass sich sofort nach dem Stich die Haut rund um die Stichstelle etwas rötet (nicht zu verwechseln mit der Wanderröte der Borreliose). Somit ist der Zeckenbefall auch ohne Lupe meist gut zu erkennen. Wer sich bewusst ist, dass die Zecken u.U. von Auge nicht sichtbar sind, wird sehr viel mehr Zeit dafür aufwenden, seinen Körper gründlich abzusuchen, notfalls mit Lupe und Handspiegel für die uneinsehbaren Stellen zwischen den Beinen und auf der Rückseite der Oberschenkel. Auch im Bauchnabel nachschauen! 

Wer barfuss im Garten unterwegs war oder auch nur irgendwo Gras gestreift hat (sogar während der Velofahrt!) sucht raschmöglichst den gesamten Körper ab (Zehen und Fussgelenke nicht vergessen). Beim Duschen einen Schwamm benutzen und alle Stellen gründlich abreiben.


 

Wichtige durch Zecken übertragene Krankheiten

eine kurze Übersicht für Pilzler - von Matthias Weiss

Grundlagen

Zecken finden sich in der Schweiz bis zu einer Höhe von 1500 m über Meer, in Zukunft (Klimawandel!) vermutlich auch in grösseren Höhenlagen. Sie leben bevorzugt in mässig feuchten Gebieten in Laub-und Mischwäldern, halten sich dort auf niedrig wachsenden Pflanzen (bis maximal 1.5 m) auf und werden durch vorüberziehende „Empfänger“ (beispielsweise Menschen) abgestreift. Von den zahlreichen Zeckenarten kommt in der Schweiz der Holzbock (Ixodes ricinus) am häufigsten vor.
Mit einem Stich saugen die Zecken einerseits das für ihre Entwicklung nötige Blut auf, andererseits kann es dabei zu einer Uebertragung von Krankheitserregern auf den Menschen kommen.
Die häufigsten Krankheitserreger sind ein Bakterium (Borrelia burgdorferi) und ein Virus (Flavivirus), das die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME, Entzündung von Hirnhaut und Hirngewebe) verursachen kann.
Seltene, ebenfalls durch Zecken übertragene Erkrankungen (Rickettsien, Ehrlichiose, Babesiose) werden in dieser Uebersicht nicht diskutiert.

Borrelieninfektion

In der Schweiz sind 5-55% der Zecken Borrelienträger. Nach einem Zeckenstich kommt es in rund 2-5% zu einer klinisch erkennbaren Infektion (zuerst in Form eines Erythema migrans; siehe Abbildung).
Wird die Zecke innerhalb von 6-12 (24) Stunden nach einem Stich entfernt, ist die Infektionsgefahr klein !
Eine prophylaktische Antibiotikabehandlung wird nicht empfohlen.
Die (unbehandelte) Infektion verläuft typischerweise (aber nicht immer...) in 3 Stadien. Allerdings wird die Infektion von vielen Menschen durch eine potente Immunantwort überwunden (man findet bei Risikopersonen wie Waldarbeitern und Orientierungsläufern, die nie krank waren, Borrelien-Antikörper in >20% !).

 

Stadium 1:

Durchschnittlich 7-10 Tage (3-30) nach dem Zeckenstich tritt im Stichbereich das Erythema migrans (rötlich-blaue, ringförmige Hautveränderung mit im Verlauf zentraler Abblassung) auf, oft begleitet von Fieber, Kopfschmerzen sowie Gelenk- und Muskelschmerzen. In dieser Situation ist eine ärztliche Konsultation (und bei Bestätigung der Diagnose eine antibiotische Behandlung !) dringend empfohlen.

Stadium 2:

Wenn das erste Stadium asymptomatisch war, nicht behandelt oder verpasst wurde, können Wochen bis Monate nach dem Stich folgende Symptome-Zeichen auftreten:

Frühe Borreliose des Nervensystems:
Beispielsweise Gesichtslähmungen (ein- oder beidseitige Fazialisparesen), seltener Lähmungen anderer Hirnnerven, milde Hirnhaut-Hirn-Entzündung, sehr schmerzhafte Nervenschmerzen.

„Rheumatologische“ Beschwerden:
Relativ schmerzarme und wiederholte Gelenkentzündungen, besonders der Kniegelenke mit Erguss (Flüssigkeit im Gelenk).

Herzbeteiligung:
Diese manifestiert sich in erster Linie mit Rhythmusstörungen (vorallem wechselnd langsamer Puls bei Blockierungen des Reizleitungssystems).

Blaurötliche Hautknoten (sog. „benignes Lymphozytom“):
Auftreten besonders bei Kindern mit typischer Lokalisation am Ohrläppchen, bei Erwachsenen auch an Brustwarzen und am Hodensack.

 

Stadium 3

Auftreten Monate bis Jahre nach dem Stich beziehungsweise der Infektion.
Hauterscheinungen:
In Europa ist eine besondere Hauterkrankung (sogenannte „Acrodermatitis atrophicans“) am häufigsten. Sie manifestiert sich mit teigigen Schwellungen und rötlichvioletten Hautläsionen über dem Hand- oder Fussrücken, über dem Knie oder an der Ellbogenstreckseite. Im Verlauf kommt es unbehandelt zu einer Gewebeatrophie .

Chronische Gelenkentzündungen (eher selten) :
Wiederum sind am häufigsten die Kniegelenke betroffen.

Spätmanifestationen am Nervensystem:
Selten, aber diagnostisch anspruchsvoll (immer Spezialuntersuchung der „Rückenmarksflüssigkeit“, Beizug von erfahrenen Neurologen/Infektiologen angezeigt).
Mögliche Symptome: Lähmungen, inklusive Querschnittssyndrome mit Gang- und Blasenentleerungsstörungen).

Behandlung

Alle Stadien können erfolgreich mit Antibiotika , teilweise über längere Zeit und gelegentlich intravenös (Verabreichung in die Vene) behandelt werden.
Die am meisten eingesetzten Substanzen sind Doxycyclin und Amoxicillin sowie bei schweren Formen mit Hirnbeteiligung Ceftriaxon (intravenös).

Post-Lyme-Syndrom“:
In einem sehr kleinen Prozentsatz können nach einer (bewiesenen und adäquat antibiotisch behandelten) Borrelieninfektion unspezifische Symptome wie Konzentrationsstörungen, Muskel-Gelenk-Beschwerden und chronische Müdigkeit andauern/auftreten, ohne dass aktuell noch Hinweise auf eine aktive Infektion bestehen.
Das Krankheitsbild ist umstritten, blinde und langdauernde antibiotische Behandlungen werden nicht empfohlen !


 

Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME)

In typischen FSME-Gebieten (Naturherde, beispielsweise am Bodensee und Murtensee, allerdings ist kein Gebiet mehr sicher „virenfrei“) tragen ungefähr 1% der Zecken das FSME-Virus in sich. Nach einem Stich durch eine befallenen Zecke kommt es in einem Drittel der Fälle zu einer Infektion (Virusübertragung im Gegensatz zur Borreliose rasch !) , wobei diese in > 90% ohne oder (nach 7-14 Tagen) nur mit grippeähnlichen Beschwerden verläuft.
Bei 1-3% treten nach einem durchschnittlich einwöchigen symptomlosen Intervall die Zeichen einer Hirnhaut-Hirn-Entzündung auf: Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Bewusstseinstrübungen, epileptische Anfälle, Lähmungen usw. Besonders bei älteren Menschen kann die Erkrankung zu bleibenden neurologische Schäden führen oder sogar tödlich verlaufen.
Eine spezifische Behandlung (Antibiotika sind gegen Viren wirkungslos !) existiert nicht, hingegen eine wirksame Impfung, die allen RisikopatientInnen (dazu gehören sicher alle PilzlerInnen ) unbedingt empfohlen wird !
Die Krankheit tritt besonders, aber nicht nur, im Frühsommer auf und hinterlässt im Gegensatz zur Borrelieninfektion eine dauernde Immunität. 


Zusammenfassende Empfehlungen

- Gut abschliessende, lange Kleider tragen.
- eventuell Schutzmittel (Repellentien) anwenden.
- Gebüsche-Unterholz meiden (für PilzlerInnen mässig originell...).
- nach einer Pilzrunde immer Körper nach Zecken absuchen (besonders Kniekehlen, Oberarm- und Oberschenkelinnenseite, Leisten, Hals, Nacken, Achselhöhlen !) und Zecken mit Pinzette entfernen und Stichstelle desinfizieren.
- im Verlauf Stichstelle beobachten und bei Auftreten einer verdächtigen Hautrötung oder eines Hautgeschwürs mit vergrösserten Lymphknoten und Fieber die Hausärztin/den Hausarzt kontaktieren.
- sich gegen FSME impfen lassen

- es gibt übrigens eine Zecken-App („Zecke“) !

erstellt von Matthias Weiss
weiss-lemmens at hispeed . ch
April 2018

Tularämie (Hasenpest)

Die Tularämie ist eine Infektionskrankheit, die durch ein sehr widerstandsfähiges, gramnegatives Bakterium namens Francisella tularensis verursacht wird. Sie ist in den letzten 3 Jahren deutlich häufiger geworden (2017: 130 Fallmeldungen). Es handelt sich um eine eigentliche Tierkrankheit (befallen sind insbesondere Hasen, Kaninchen, Mäuse, Ratten, Eichhörnchen), die gelegentlich über Zecken- und Insektenstiche auf den Menschen übertragen wird. Eine Ansteckung ist auch durch direkten Kontakt mit erkrankten Tieren oder durch die Einatmung von verseuchtem Staub sowie durch das Trinken von kontaminiertem Wasser möglich.
Die Zeit von der Ansteckung bis zum Krankheitsausbruch beträgt in der Regel 3 – 5 Tage.
Die Erkrankung ist einerseits durch unspezifische Symptome (plötzliches Fieber, Uebelkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, gelegentlich Hautausschlag) und andererseits bei Stichen durch lokale Manifestationen (Knötchen-Geschwür an Stichstelle, vergrösserte   und schmerzhafte Lymphknoten) charakterisiert. Als gefürchtete Komplikation kann unter anderem auch eine Lungenentzündung auftreten.
Die Diagnose erfolgt meistens durch eine Antikörperbestimmung im Blut; der direkte oder kulturelle Nachweis des Bakteriums ist relativ schwierig.
Mit Antibiotika (Streptomycin, Ciprofloxacin) kann die Erkrankung erfolgreich behandelt werden. Ein Impfstoff steht momentan nicht zur Verfügung.



Literatur-Unterlagen

- Lyme Borreliose (zertifizierte Fortbildung). Der Internist 2014; 7: 789-802
- Bundesamt für Gesundheit: Zecken und Zecken übertragene Krankheiten; Impfen schützt vor FSME (5.2.2016)
- Guidelines Medizin, Surfmed ,Universitätsspital Zürich-Inselspital Bern 2016
- Zeckenübertragene Krankheiten, Guideline medix (Mai 2015)
- Current medical diagnosis and treatment 2017
- Clinical manifestations, diagnosis and treatment of tularemia. UpToDate 2018.

Tipps und Hausmittel zur Zeckenabwehr

Allzweckwaffe Kokosöl

Einer der Hauptbestandteile des zeckenabwehrenden Öls ist die Laurinsäure. Studien haben bewiesen, dass Zecken auf diese Säure extrem reagieren und Haut, welche mit dem Öl behandelt wurde, meiden. Sollte es dennoch zum Biss kommen, werden die Zecken offenbar auch daran gehindert, ihr Gift abzusondern. Kokosöl kann somit ein alternatives Mittel gegen Zecken sein.

Einfach grossflächig auf allen Körperstellen auftragen, speziell an Armen, Hals, Bauchregion, Knöchel und Waden. 

 

Kleider-Tipps nach dem Wald

Nach dem Waldgang die Kleidung bei 60° waschen. Wenn Waschen nicht möglich ist, kann die Kleidung auch direkt nach dem Tragen erneut innen und aussen mit Mittel eingesprüht und draussen aufbewahrt werden. Vor dem nächsten Waldgang die Kleidung vor dem Anziehen wieder komplett mit Zeckenmittel einsprühen. Der Verbrauch an Zeckenmittel ist dementsprechend bei Pilzlern sehr hoch :-) Alternativ mit einem Kleider-Rolli gründlich abreiben und die Kleider möglichst eine Zeitlang draussen in der Sonne aufhängen.

 

Wenn alles nichts hilft...

Mein Sohn ist ein richtiger Zecken-Magnet. Ein Fuss nur in die Wiese gesetzt und ganz sicher schon eine Zecke eingefangen. Das Thema  Zecken ist bei uns täglich aktuell - es ist ein richtiger Kampf! Und ob er sich beim Schulsport z.B. vor dem OL auch wirklich gründlich einsprüht und sich danach gleich im Schul-WC auf Zecken absucht....? Seit man weiss, dass Zecken auch bereits innert ganz weniger Stunden FSME übertragen können, ist die Angst bei uns noch grösser. Mittlerweile nehme ich ihn auch nicht mehr mit auf meine Pilzgänge (naja, er ist 15 und darüber nicht sooo traurig :-) . Eine Impfung indes kommt für uns beide derzeit nicht in Frage, die Angst vor den vielen möglichen Nebenwirkungen ist gross. Eine schlimme Zwickmühle. 

Von Oliver:

Offenbar mögen die Zecken wie Mücken manche lieber und wiederum andere haben ihre Ruhe von den Plaggeistern. Ich scheine ihren Geschmack zu treffen....so habe ich Mühe, mir diese vom Leibe zu halten. Leider nützten einige Zeckenspray-Mittel bei mir gar nicht. So nützt bei mir Antibrumm gar nicht. Hingegen der Spray von NøSkito oder Autan zeigen ihre Wirkung. Aber auch da habe ich schon anderes gehört. 

 

Mit Ultraschall gegen Zecken

Für alle, die an technischen Gadgets ihre Freude haben - obs hilft, wissen wir leider nicht. Wer probierts aus und gibt uns Feedback?

 

Helle Kleidung tragen

Auf heller Kleidung sieht man die Zecken besser. Bereits im Wald immer mal wieder kurz die Hosenbeine und Arme abstreifen und auf Zecken überprüfen.
Stiefel (z.B. Stiefel aus der Landi, bequem gefüttert) tragen wesentlich zur Zeckenabwehr bei. Bei Halbschuhen immer die Socken über die Hosen stülpen, natürlich nie nur im T-Shirt oder in kurzen Hosen in den Wald. 

 

Diese wichtigen Körperstellen nicht vergessen abzusuchen

Beim sorgfältigen Absuchen des Körpers auch diese wichtigen und bei Zecken sehr beliebten Stellen  nicht vergessen (nebst den anderen, allseits bekannten Stellen wie Kniekehlen, Achsel etc): 
- Zehen und Zehen-Zwischenräume
- Fussgelenke
- Oberschenkel-Rückseite und Gesäss (mit Handspiegel)
- Hodensack (ev. Handspiegel benützen) 
- Bauchnabel

- bei Kindern: die Ohrlmuscheln, auch die Rinne oberhalb des Gehöreingangs

Homöopathische Impfung

Das Mittel "Zeckenbissnosode C200" wird als homöopathische Impfung eingenommen und soll während 6 Monaten vor Zecken-Krankheiten schützen. Es ist preiswert und ohne Nebenwirkungen. Wer es gerne ausprobieren möchte, kann es bei der Schlossdrogerie Jutzi in Oberhofen www.jutzi.ch online bestellen (100 Globuli Fr. 10.50, pro Impfung werden 10 Globuli benötigt). 
Mit einer Gabe Ledum C200 nach einem Stich soll das Infektionsrisiko zudem auch stark gesenkt werden.

 

Insektenschutz-Bekleidung

Von der Marke Craghoppers Nosilife gibts Bekleidung für Damen und Herren welche Insekten und Zecken zuverlässig abwehren soll. Anita und Lukas sind damit seit 3 Monaten zeckenfrei. 

Kann über diverse Onlineshops in der Schweiz bestellt werden. Achtung - die Hosen fallen teilweise sehr kurz aus, unbedingt bei der Bestellung auf die Innenbeinlänge achten.

 

Schwarzkümmel-Öl

Soll helfen (äusserlich und/oder innerlich angewendet), Zeckenstiche zu reduzieren. Kritische Stimmen erwähnen eine mögliche krebserregende Wirkung des neuen Wundermittels gegen Zecken. Da das Mittel noch nicht lange bekannt und erprobt ist, muss hier jeder Pilzfreund vorerst noch seine eigenen Erfahrungen damit machen. 

Ebenfalls als Tipp von einem Pilzfreund erwähnt wurde Tigerbalm, auf Hand- und Fussgelenke aufgetragen.

 

Auch im Wohnzimmer möglich

Wer Freigänger-Katzen oder Hunde im Haus hat, läuft auch zuhause Gefahr, von einer Zecke gestochen zu werden. Die Zecken können beim Streicheln abgestreift werden oder fallen ab, wenn sich die Katze auf dem Sofa oder Bett aufhält. Deshalb ist mit der aktuell dramatischen Zeckensituation ein tägliches Absuchen, selbst ohne Wald- oder Wiesengang, Pflicht. 

 

FSME - ein Erfahrungsbericht

Ich habe André im Frühjahr 2018 angefragt, ob er über seine FSME-Erkrankung im Zecken-Spezial des Pilzradars berichten möchte. Er hat eingewilligt und wir haben uns zum Gespräch getroffen.

 

André, wie hast du erfahren, dass du FSME hast?

Letzten September (2017)  habe ich während der paar wenigen guten Pilzwochen an drei Tagen nacheinander viele Pilze nach Hause gebracht. Dabei habe ich mir jeden Tag eine Zecke eingefangen und – wenn ich mich recht erinnere - jeweils am nächsten Morgen entfernt. 

Ca. zwei Wochen später überkamen mich plötzlich richtig starke Gliederschmerzen. Bald einmal kam auch Fieber hinzu. Nach einer Woche (dazwischen war ich noch in Urlaub) ging ich zum Arzt, welcher rasch einmal nachgefragt hat, ob ich einen Zeckenstich erlitten hätte. Es wurde Blut genommen und zur Analyse nach Bern geschickt. Die Resultate waren erste einige Tage später verfügbar; mir ging es immer noch schlecht. Es hiess, FSME sei anhand der Proben möglich.

 Nun wurde ich telefonisch gebeten, mich umgehend ins Krankenhaus zu begeben. Dort wurden mir sofort alle möglichen Mittel (ich weiss nicht mehr genau was) gegeben und Infusionen gelegt.

Erst nachdem man mir Knochenmarkflüssigkeit entnommen und getestet hatte, stand fest, dass es tatsächlich FSME ist. Ein Teil des Hirns war entzündet (Hirn-Entzündung, nicht Hirnhaut-Entzündung). Sobald das Resultat bekannt war (ich lag da schon zwei Tage im Spital) wurden mir umgehend alle Infusionen entfernt und alle Medikamente abgesetzt, denn jetzt konnte man nur noch die Symptome (z.B. Kopfschmerzen) bekämpfen und – blöd gesagt – nur noch auf Besserung hoffen.

 

Wie ging es dir zu dieser Zeit im Spital?

Erst, als ich wieder zuhause war und einige Tage und Wochen später habe ich realisiert, wie schlecht es mir im Spital tatsächlich gegangen ist. Ich war benebelt, litt unter starkem Schwindel, konnte kaum einen Schritt tun, um aufs WC zu gelangen. Die Worte wollten mir nicht recht über die Lippen kommen. Meine Familie hat mir berichtet, wie schlimm es für sie gewesen sei, mich so zu sehen – ich selber war so benebelt, dass ich das gar nicht so richtig realisiert habe. Auch die Sehschärfe hat täglich geändert. Nach einer Woche im Spital wurde ich entlassen, mit der Auflage, vier Wochen strenge Bettruhe einzuhalten.

 

Wie ging es dir in diesen vier Wochen?

Zuerst dachte ich mir: „was, vier Wochen? Ich gehe sicher schon viel früher wieder arbeiten“ – aber weit gefehlt! Zuerst ging einfach gar nichts mehr. Und selbst nach einigen Wochen war ich nach kurzer Zeit so müde, dass ich maximal zwei Stunden am Stück im Büro arbeiten konnte, bevor ich mich wieder hinlegen musste. Die Regenerationszeit von vier Wochen ist also völlig realistisch aber auch dessen war ich mir dann erst im Nachhinein so richtig bewusst.

 

Hast du bleibende Schäden erlitten?

Vermutlich nicht. Ich gehöre zu den glücklichen rund 50% Kandidaten, die diese Erkrankung mit schwerem Verlauf ohne bleibende Schäden überstanden habe. Zu Beginn war die Regeneration aber hart: zwei-drei Sätze auf der Tastatur schreiben, hat eine Stunde gedauert! Handschriftlich konnte ich nichts mehr festhalten; die Motorik war gestört und die Hand hat nur noch gezittert. Eine erste Probefahrt mit Auto habe ich zum Glück nur auf einen Feldweg absolviert – links und rechts konnte ich nicht unterscheiden! Wie gesagt: erst im Nachhinein habe ich das Ausmass realisiert. Zum Glück sind heute, 6 Monate nach der Erkrankung, keine Schäden mehr ersichtlich. Wobei ich nicht ganz ausschliessen kann, dass ich etwas vergesslicher bin als zuvor und manchmal etwas länger nach bestimmten Wörtern suchen muss. Aber ganz sicher sagen kann ich das nicht.

 

Hattest du dich überhaupt vor Zecken geschützt?

Nein, gar nicht. Ich bin immer fröhlich durchs Unterholz gekrochen und habe mich nie um Zecken geschert. Ich habe immer wieder Zecken nach Hause gebracht, schon seit Jahren.

 

Wie schützt du dich heute?

Ich habe mich impfen lassen – obwohl man nach einer FSME-Erkrankung wohl auch Antikörper aufbaut, aber sicher ist sicher und die Ärzte haben mir die Impfung unbedingt empfohlen. Hier ist man sich offenbar auch noch unsicher bezüglich der lebenslangen Immunität. Ich bin seither nie mehr im freien Wald gewesen und habe ehrlich gesagt grossen Respekt davor, wieder zu gehen. Auf die Morchelsaison habe ich verzichtet. Ich achte sehr darauf, mich nur auf Waldwegen zu bewegen.

Noch ein interessantes Detail: der Zeckenstich wurde schliesslich als Unfall über die SUVA abgewickelt und nicht als Krankheit. 

 

Hier die Übersicht über den Wochenablauf:

 

Woche 1         Zeckenstiche

Woche 2         normal

Woche 3         Gliederschmerzen

Woche 4         Normal, Ende Woche hohes Fieber. War diese Woche in den Ferien. Anschliessend Zuhause zum Arzt usw.

 

Vielen Dank, André, dass du uns deine Geschichte erzählt hast!


FSME-Impfung Pro und Contra

Pro Impfung: www.infovac.ch 

Contra Impfung: auf www.impfschaden.info (Meldestelle für Impfschäden) findet man viele Erfahrungsberichte über gut dokumentierte Impfschäden.

Von Urs und Liz:
Wir haben uns bereits 2014 gegen FSME impfen lassen. Die Impfung ist dreiteilig, wobei offenbar bereits nach zwei Impfungen ein Schutz aufgebaut wird. Auch die letzte Impfung war kaum spürbar und verursachte (abgesehen von einer kurzen Müdigkeit danach) keinerlei Komplikationen. Wir gehen davon aus, dass wir für die kommenden 10 Jahre vor FSME geschützt sind. Hingegen besteht gegen Borreliose leider kein wirksamer Impfschutz. Im Krankheitsfall müsste daher Antibiotika eingesetzt werden.

Von Myriam

Ich habe dieses Jahr mich entschieden die FSME-Impfung zu machen. Ich bin der Meinung, wenn es eine prophylaktische Methode gibt um sich gegen eine Krankheit sich zu schützen, dann soll man diese nutzen.

Von Nicola
Ich bin unschlüssig und habe die Impfung bisher nicht machen lassen, obwohl ich mich viel im Wald aufhalte. Grund: meine Kollegin war nach der Impfung während ca. 2 Wochen blind (bekannte Nebenwirkung:  Sehstörungen und Lähmung des Augenschliessmuskels). Ich habe mich eingehend über die Verträglichkeit der FSME-Impfung informiert und habe Angst vor den vielen möglichen Nebenwirkungen, einschliesslich FSME ausgelöst durch die Impfung selber. So habe ich mich vorerst wieder dagegen entschieden, hauptsächlich, weil ich kein "Zecken-Magnet" bin und sowieso nur selten Zecken habe.  Ich informiere mich jedoch jährlich neu. 
Von Christian
Ich bin gegen FSME geimpft. Und zwar seit etwa 7 Jahren. Als ich die Impfung gemacht hatte, hiess es noch, die Zeckenimpfung sei nun für 10 Jahre "aktiv". Kürzlich hatte ich aber von 5 Jahren gelesen - das hat mich etwas verunsichert.

Zeckensprays

Von Nicola

Ich verwende seit diesem Jahr im Zuge meiner verstärkten Zecken-Abwehr immer 2 Zeckensprays zusammen. Ich sprühe die Kleider zuerst mit Antibrumm ein, danach auch noch mit Anti-Insect. Meiner Logik nach sollten zwei Sprays besser helfen als einer. Auf der Haut trage ich überall Kokosöl auf. Ein richtiger Aufwand, welcher mir einen kurzen Besuch im Wald auch richtig vermiest. Wer will schon nach dem Waldgang über Mittag den ganzen Tag lang nach Zeckenspray stinken? Selber weiss ich auch von einigen Leuten, die nur noch richtig gut "bewaffnet" für längere Pilzgänge in den Wald gehen und die kurzen Pilz-Kontrollgänge sein lassen.

 

FSME Hochrisiko-Gebiete, FSME-Karten

Je nach Quelle sind die Hochrisiko-Gebiete für FSME mehr oder weniger verbreitet. Die Seite vom BAG im folgenden Link verwendete Karte ist ganz sicher nicht aktuell (FSME-Erkrankung 2017 von Aarwangener Zeckenstich) 
BAG-Karte (veraltet) hier klicken 

Zuverlässiger scheint folgende Karte zu sein: hier klicken 


Hast du Tipps zur Zecken-Abwehr, die hier nicht aufgeführt sind? Wie sind deine Erfahrungen mit den diversen Zeckenschutzmitteln? Schreib uns! 

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit. Nullam porttitor augue a turpis porttitor maximus. Nulla luctus elementum felis, sit amet condimentum lectus rutrum eget.